Wenn du an die Herstellung einer Jeansjacke denkst, kommen dir wahrscheinlich zuerst große Nähereien, der blaue Denim-Stoff oder seine Reise um den Globus in den Kopf. An Wasser denkst du vielleicht weniger. Dabei steckt erstaunlich viel davon in einer einzigen Jeansjacke. Und gerade weil Wasser eine unserer wertvollsten Ressourcen ist, lohnt sich ein Blick darauf, wo es bei der Herstellung eigentlich gebraucht wird.
Eine Jeansjacke braucht tausende Liter Wasser
Unter den Textilien gilt die beliebte Jeans als eine der größten Ökosünden.
Für die Herstellung einer Jeansjacke werden mehrere tausend Liter Wasser benötigt. Eine häufig genannte aktuelle Größenordnung liegt bei etwa 5.000 Litern Wasser. Das sind ungefähr 33 volle Badewannen.
Eine exakte, allgemein gültige Zahl für Jeansjacken gibt es allerdings nicht. Der tatsächliche Wasserverbrauch hängt unter anderem davon ab, wo die Baumwolle angebaut wird, wie sie bewässert wird und wie die Jacke später weiterverarbeitet wird. Je nach Baumwolle, Anbaugebiet, Produktionsweise, Färbung und Waschungen kann der tatsächliche Wasserfußabdruck deutlich abweichen.
Die Zahl ist also keine exakte Rechnung für jede einzelne Jacke. Sie soll vor allem eines zeigen:
In einem Kleidungsstück steckt viel mehr Wasser, als wir auf den ersten Blick sehen.

Wo das Wasser verbraucht wird
Der Wasserverbrauch einer Jeans beginnt lange bevor aus Baumwolle ein Stück Denim wird.
💧 Baumwolle anbauen
Über die Hälfte des benötigten Wassers wird für den Baumwollanbau eingesetzt. In trockenen Regionen muss dafür teilweise künstlich bewässert werden. Dabei kann sogenanntes „blaues Wasser“ aus Flüssen, Seen oder Grundwasser eingesetzt werden. Zusätzlich wird Regenwasser, sogenanntes „grünes Wasser“, von den Pflanzen aufgenommen. Wie groß der Wasserfußabdruck tatsächlich ist, hängt deshalb stark vom Anbaugebiet und den dortigen klimatischen Bedingungen ab.
💧 Färben
Aus der Baumwolle wird später Denim, der seine typische blaue Farbe durch Indigo erhält. Beim Färben und Veredeln wird Wasser benötigt. Dabei entstehen Abwässer, die unter anderem Farbstoffe und weitere Chemikalien enthalten können.
💧 Waschen und Veredeln
Eine Jeans soll heute selten einfach nur neu aussehen. Stonewashed, Used Look, Bleached oder Vintage: für viele dieser Effekte wird der Stoff zusätzlich behandelt und gewaschen. Auch hier wird Wasser benötigt.
Gerade die Färbe- und Veredelungsprozesse sind problematisch, wenn Abwasser nicht ausreichend behandelt wird. Die Textilproduktion ist laut Europäischem Parlament für einen erheblichen Teil der weltweiten Wasserverschmutzung durch industrielle Prozesse verantwortlich.
Warum Wasserknappheit uns alle betrifft
Wasser ist eine begrenzte Ressource. Gleichzeitig brauchen wir es für fast alles: zum Trinken und für unsere Ernährung, für Hygiene und Pflege, im Anbau, bei der Herstellung unzähliger Produkte, für Reinigung, Kühlung und vieles mehr. Rund 70 Prozent der weltweiten Süßwasserentnahmen entfallen dabei auf die Landwirtschaft. Ein großer Teil davon wird für den Anbau von Lebensmitteln und Nutzpflanzen wie Baumwolle benötigt.
Gleichzeitig verändert der Klimawandel unseren Wasserkreislauf. Längere Hitzeperioden, veränderte Niederschläge, Dürren und das Abschmelzen von Gletschern setzen viele Wasserressourcen zusätzlich unter Druck. Dadurch können Regionen, die ohnehin wenig Wasser zur Verfügung haben, noch stärker von Wasserknappheit betroffen sein.
Einige natürliche Wasserreserven gehen bereits deutlich zurück. Seen und Feuchtgebiete schrumpfen, Grundwasservorräte werden übernutzt und Gletscher verlieren langfristig ihre Funktion als natürliche Wasserspeicher. Manche dieser Veränderungen können sich in menschlichen Zeiträumen nicht mehr erholen („Wasserbankrott“). Die Vereinten Nationen sprechen deshalb zunehmend von einer weltweiten Wasserkrise.
Weltweit haben rund 2,2 Milliarden Menschen keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser, und etwa 4 Milliarden Menschen leiden mindestens einen Monat im Jahr unter schwerer Wasserknappheit. Rund die Hälfte der Weltbevölkerung erlebt zumindest zeitweise schwere Wasserknappheit. Der Klimawandel, die Übernutzung von Grundwasser und die Landwirtschaft verschärfen die Krise drastisch. Auch unser Konsum spielt dabei eine Rolle:
Viele Produkte, die wir in Europa kaufen, werden ganz oder teilweise in anderen Regionen der Welt hergestellt, teilweise dort, wo Wasser ohnehin knapp ist.
Das gilt auch für Baumwolle. Wird sie in einer trockenen Region angebaut und muss künstlich bewässert werden, kann der Anbau zusätzlichen Druck auf die lokalen Wasserressourcen ausüben.
Deshalb reicht es nicht, nur zu fragen: Wie viel Wasser braucht eine Jeans? Die spannendere Frage lautet: Wo wird dieses Wasser verbraucht und was bedeutet das für die Menschen und die Natur vor Ort?

Es geht nicht nur ums Wasser
Jetzt kommt ein weiterer Teil der Geschichte, über den wir beim Kleidungskauf selten nachdenken: Was passiert mit dem Wasser danach?
Wasser verschwindet bei der Jeansproduktion natürlich nicht einfach. Ein Teil wird von Pflanzen aufgenommen, ein Teil verdunstet und ein Teil wird im Produktionsprozess zum Färben, Waschen und Veredeln genutzt und anschließend als Abwasser wieder abgegeben.
Idealerweise wird dieses Wasser in entsprechenden Anlagen behandelt, bevor es wieder in die Umwelt gelangt. Doch nicht überall sind Abwasserbehandlungssysteme ausreichend vorhanden oder funktionieren zuverlässig. Dann können Schadstoffe in Flüsse und andere Gewässer gelangen.
Deshalb geht es beim Wasserverbrauch einer Jeansjacke nicht nur um die Frage: „Wie viele Liter Wasser wurden verwendet?“
Sondern auch um: „Woher kam das Wasser und wie sauber kommt es zurück?“
Und dann kommt noch die nächste Jeans...
Das der Punkt, an dem Slow Fashion interessant wird.
Denn wenn wir eine neue Jeans kaufen, wird für dieses neue Kleidungsstück erneut Baumwolle angebaut, verarbeitet, gefärbt und veredelt.
Wenn wir dagegen eine bereits produzierte Jeans kaufen und weitertragen, muss dafür kein neuer Stoff hergestellt werden. Das Kleidungsstück ist bereits da. Sein Wasserfußabdruck ist bereits entstanden. Wir können ihn nicht rückgängig machen, aber wir können verhindern, dass für unseren Kauf ein noch größerer Fußabdruck entsteht.
Warum Moonside Collection auf Secondhand setzt
Für Moonside Collection verwende ich ausschließlich bereits existierende Jeansjacken und schenke ihnen durch Upcycling ein neues Leben.
Der Gedanke dahinter ist einfach: Eine Jeansjacke, die bereits existiert, muss nicht noch einmal produziert werden.
Ich suche gezielt nach Jacken, die bereits eine Geschichte haben und noch lange nicht am Ende ihres Lebens angekommen sind.
Mit viel Liebe und Hingabe entstehen daraus neue Einzelstücke. Jede Jacke verdient ihr ganz individuelles Design. So wird aus einer alten Jacke kein Wegwerfprodukt, sondern ein Unikat mit einer neuen Geschichte.
Für mich ist genau das eine der schönsten Seiten von Slow Fashion.
Jeansstoff ist so robust, dass deine Jacke mit guter Pflege viele Jahre einen guten Zustand bewahren kann.
Wir müssen nicht immer etwas Neues erschaffen. Manchmal müssen wir nur entdecken, was bereits da ist.

Das kannst du tun
🧡 Secondhand kaufen
Gib bereits produzierter Kleidung eine zweite Chance, bevor du etwas Neues kaufst.
🧡 Kleidung länger tragen
Je länger du ein Kleidungsstück trägst, desto mehr verteilt sich sein ursprünglicher ökologischer Fußabdruck über seine Lebensdauer.
🧡 Lieblingsstücke reparieren
Ein kleines Loch oder ein fehlender Knopf muss nicht das Ende eines Kleidungsstücks sein.
🧡 Upcycling ausprobieren
Wenn dir ein Kleidungsstück nicht mehr gefällt, überlege, ob daraus etwas Neues entstehen kann.
🧡 Bewusster kaufen
Frag dich vor dem nächsten Kauf: Brauche ich wirklich etwas Neues oder wartet vielleicht schon irgendwo ein Kleidungsstück auf seine nächste Geschichte?
Denn manchmal ist die nachhaltigste Jeansjacke nicht die, die mit besonders wenig Wasser neu produziert wurde. Sondern die, die bereits existiert.
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