Bild von einer Schneiderbüste im Vintage-Stil. Im Hintergrund ist eine Smiley-Lampe in gelb zu sehen.

Kennst du das Gefühl, vor einem vollen Kleiderschrank zu stehen und trotzdem nichts zum Anziehen zu finden?

Mir geht es ganz genauso. Viel zu oft habe ich den Drang, alles auszumisten und neu zu kaufen.
Aus diesem Grund habe ich mich in den letzten Jahren viel mit meinem eigenen Konsumverhalten auseinandergesetzt. Habe mich mit den Produktionsweisen in der Modeindustrie und den Auswirkungen von Fast Fashion beschäftigt und dabei ist mir eines klar geworden: Wie viel neuwertige Textilien jedes Jahr produziert und weggeworfen werden. Obwohl wir doch insgeheim wissen, wie Kleidung produziert wird und welchen Weg sie zurücklegt, bis sie in unseren Kleiderschränken landet.

Dieser Gedanke hat mich nicht mehr in Ruhe gelassen. Ich habe mich gefragt:

Muss ein Kleidungsstück wirklich neu sein, um mir das Gefühl von etwas Neuem zu geben?

Stoffmuster bunte Farben

Der Ursprung

Dass ich etwas Kreatives machen will, wusste ich vermutlich schon immer.

Das Nähen habe ich als Kind an der Nähmaschine meiner Oma gelernt.
Meine ersten Projekte: Patchwork-Taschen und Kissen aus kleinen quadratischen Stoffmustern, die mein Opa von der Arbeit mitbrachte.

Nach dem Abitur habe ich dann ein Modedesign-Studium begonnen und nach drei Semestern wieder abgebrochen. Um ins Marketing zu wechseln, ein duales Studium abzuschließen, einige Jahre in Werbeagenturen zu arbeiten, mich als Texterin selbstständig zu machen und erfolgreich für coole Projekte zu arbeiten.

Doch der Wunsch, wieder etwas mit den Händen zu erschaffen, blieb.

Bild von einer Nähmaschine auf einem Schreibtisch vor dem Fenster. Schöner Lichteinfall, viele Pflanzen im Zimmer und ein blauer Cordstuhl am Schreibtisch.

Der Wendepunkt

2020 gründete ich Moonside Collection.
Die Idee kam am ersten Tag eines neuen Jobs als Projektmanagerin in einer Agentur. Ich saß am Schreibtisch und anstatt mich auf die Aufgaben zu freuen, dachte ich mir: „Das kann’s doch nicht gewesen sein!

Ich konnte mir nicht vorstellen, mein Leben an einen Bildschirm gefesselt zu verbringen.
Ich wollte frei und selbstbestimmt leben.

Also habe ich kurzerhand beschlossen, einen Etsy-Shop zu eröffnen, für den ich anfangs illustrierte Grußkarten und schöne Dinge aus Makramee herstellte.

Ich weiß noch, wie aufgeregt ich damals war, weil es sich so richtig und wie für mich bestimmt angefühlt hat.

Zeitgleich habe ich mich viel mit meinem eigenen Konsumverhalten auseinandergesetzt.
Dieser Mindshift legte den Grundstein für die Entwicklung von Moonside Collection zu einem Upcycling-Label für Jacken im Boho-Stil.

Ich war erfüllt. Es hat sich richtig angefühlt. Alles, was ich für Moonside gemacht habe, hat mir solche Freude bereitet, als wäre es genau mein Weg.

Und als ich gerade anfing, mit der Marke größer und erfolgreich zu werden, habe ich aufgehört. Eine Pause gemacht.
Diese Pause dauerte über 3 Jahre.

Bild von einem Mädchen von hinten. Mit dunklen Haaren und goldenen Ohrringen. Sie trägt eine Vintage Jeansjacke mit einem Bohomuster und Fransen am Rücken.

Die Pause

Mein Leben hatte sich verändert. Ich wollte mich frei fühlen, unabhängig leben und neue Erfahrungen sammeln. Ich habe mir einen Van gekauft, ihn ausgebaut und war sehr viel unterwegs.

Doch während all dieser Zeit hat mir jeder Gedanke an Moonside einen kleinen Stich ins Herz verpasst. Ich wusste, es war noch nicht vorbei und irgendwie sollte ich wieder dorthin zurückfinden.

Und genau zum passenden Zeitpunkt hab ich’s einfach gemacht und damit eine der besten Entscheidungen meines Lebens getroffen.

Bild von einem Mädchen, das auf dem Dach eines VW T5 Bus in der Farbe Orange sitzt. Umgeben vom Herbst-Wald.

Und jetzt?

Heute sitze ich wieder an meiner Nähmaschine. Mit neuen Ideen und einer neuen Perspektive auf Upcycling und individuelle Vintagemode.

Ich möchte Dinge erschaffen, die nicht perfekt und austauschbar sind, sondern Persönlichkeit haben.

Ich möchte so vielen Kleidungsstücken wie möglich die Chance geben, ihr ganzes Leben leben zu dürfen und nicht frühzeitig auf dem Müll zu landen.

Dafür suche ich gezielt nach Jacken, die bereits eine Geschichte haben und noch lange nicht am Ende ihrer Geschichte angekommen sind. Mit viel Liebe und Hingabe entstehen daraus neue Einzelstücke.

So wird aus einer alten Jacke kein Wegwerfprodukt, sondern ein Unikat mit einer neuen Geschichte.

Modedesignerin Hannah Natterer an ihrem Arbeitsplatz. Sie näht an der Nähmaschine einen Boho-Stoff auf eine Jeansjacke.

Seit ich wieder angefangen habe, kreativ zu sein, sprudle ich vor Ideen. Bin motiviert und vorfreudig. Ich nutze meine Energie, um etwas zu erschaffen. Bin produktiv, statt nur zu machen.

Und ganz plötzlich fühlt sich mein Leben wieder leichter an, freier. Wieder ein bisschen mehr nach mir. Als wär ich immer da gewesen, hab ich wieder ein Stück weit in mich hineingefunden.

Das ist meine Geschichte. Welche ist deine?